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Die Angst-Industrie

Donnerstag, 26. Oktober 2006

Warum wir Risiken masslos überschätzen

Nun liest man sie wieder in allen Zeitungen, die Meldungen von der Stallpflicht. Der Tages-Anzeiger meldet am 15. Oktober 2006, dass seit heute in der Schweiz wieder eine beschränkte Stallpflicht gilt: Geflügel im Umkreis von einem Kilometer um die grösseren Seen und Flüsse im Mittelland muss ab sofort im Stall bleiben.

Die beschränkte Stallpflicht gilt voraussichtlich bis zum 30. April. Betroffen sind 20 Gebiete mit insgesamt 1000 professionellen und 4000 Hobby-Geflügelhaltern von Hühnern, Truten, Pfauen, Perlhühnern, Rebhühnern, Fasanen, Wachteln, Enten, Gänsen, Straussen, Emus und Nandus.

Um die gesamte Schweizer Bevölkerung gegen eine allfällige Grippepandemie schützen zu können, lässt der Bundesrat 8 Millionen Dosen eines neuen präpandemischen Impfstoffs beschaffen. Mit dieser Massnahme nimmt die Schweiz international eine Pionierrolle ein. Die Beschaffung erfolgt Anfang 2007. Beim präpandemischen Impfstoff handelt es sich um einen H5N1-Impfstoff, der mit einem Zusatzstoff ergänzt wurde.

Metzger in einer Schlachterei (Bild: SWR)

©Bild: SWR Metzger in einer Schlachterei
Die Angst-Industrie am 26.10.2006 im SWR

 

Das Fernsehen nimmt sich zu sehr später bzw. früher Stunde dieses Themas an und zeigt warum unsere Angst vor den Risiken unbegründet ist.

Die Dokumentation von Tilmann Achtnicht «Die Angst-Industrie», rechnet ab mit manchen Irrungen in der Risikobewertung.

Für die Bekämpfung des Risikos Rinderwahnsinn BSE wurden Milliarden ausgegeben. Viele bezweifeln, dass es angemessen war. Asbest, Vogelgrippe, SARS, BSE, Feinstaub – das sind die Risiken, vor denen wir uns fürchten. Riesenschlagzeilen, aufgeregte Politiker, verunsicherte Menschen. Panik, Hysterie, Aktionismus.

Wir wollen Nullrisiko von unserem Staat, den Schutz vor allen Gefahren des Lebens. Vollkasko. Aber Risikoabwehr kostet immer mehr Geld. Und bringt oft wenig. Für die BSE-Bekämpfung zum Beispiel geben wir Hunderte von Millionen Euro aus und schützen uns vor einem Risiko, das statistisch nicht existiert. Das Geld hätte besser eingesetzt werden können, um Krankenhausinfektionen zu verhindern, an denen jährlich Tausende Patienten sterben. Warum bewerten wir Risiken völlig irrational? Welche Rolle spielen Wissenschaftler, die Medien und die Politik bei der Bewertung von Risiken? Warum haben wir Angst vor BSE, aber rauchen gleichzeitig, klettern beim Fensterputzen auf den wackligen Küchenstuhl und setzen uns täglich im Strassenverkehr tausendmal höheren Gefahren aus? Ist der tägliche "Katastrophismus" gar eine deutsche Eigenschaft?

Panik bei Nitrat im Kopfsalat, Thrombosen im Flugzeug und Elektrosmog. "Die Deutschen trinken sich zu Tode, rauchen sich zu Tode, fahren sich zu Tode. Kann jeder selbst entscheiden. Aber wenn eine Gefahr von aussen droht, werden sie hysterisch", überspitzt es ein Ausländer, der schon lange hier lebt.

 

"Frankenberg"

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