Das große Wettrudern

 

Ein Beispiel aus einem deutschen Unternehmen

Bestimmt habt Ihr von dieser kleinen Geschichte schon einmal gehört oder Eurer Firma ist ähnliches passiert. Sie zeigt, wie wertvoll Berater sein können. Das Traurige an Geschichte ist, dass sie stimmt, und dass solche Berater, die z. B. geholfen haben die Swissair in den Boden zu fahren, ungestraft weiterwursteln dürfen.

Vor einiger Zeit beschloss eine deutsche Firma, dass man ein jährliches Wettrudern gegen eine japanische Firma durchführen wolle. Dieses Wettrudern sollte mit einem Achter auf dem Rhein ausgetragen werden.

Beide Mannschaften trainierten lange und hart, und erreichten so ihre höchste Leistungsstufe.

Als der grosse Tag kam, waren beide Mannschaften dann topfit. Doch die Japaner gewannen das Rennen mit einem deutlichen Vorsprung von einem Kilometer. Nach dieser Niederlage war die deutsche Firma sehr betroffen und die Moral war auf dem absoluten Tiefpunkt angelangt. Das obere Management entschied, dass der Grund für diese Niederlage unbedingt herausgefunden werden müsse.

Ein Projektteam wurde eingesetzt um das Problem zu untersuchen und geeignete Änderungen und Umstrukturierungen zu empfehlen. Nach wochenlangen Untersuchungen fand man heraus:

  • im japanischem Team ruderten sieben Mitarbeiter und einer steuerte.
  • im deutschen Team ruderte ein Mitarbeiter und sieben steuerten.

Das oberste Management engagierte sofort eine Beraterfirma, die eine Studie über die Struktur des Deutschen Teams anfertigen sollte. Nach einigen Monaten und beträchtlichen Kosten kam die Berater-Firma zu folgendem Ergebnis:

  • zu viele Mitarbeiter steuerten
  • zu wenig Mitarbeiter ruderten

Um einer weiteren Niederlage vorzubeugen, wurde vom obersten Management die Teamstruktur geändert. Es gab jetzt:

  • vier Steuerleute
  • zwei Obersteuerleute
  • einen Steuerdirektor
  • und einen Ruderer

Ausserdem wurde für den Ruderer ein neues Leistungsbewertungs- und Beurteilungssystem eingeführt, um ihm mehr Ansporn zu geben. Das oberste Management war der Auffassung: "Wir müssen seinen Aufgabenbereich erweitern, um ihm mehr Verantwortung zu geben."

Im nächsten Jahr gewann das japanische Team dann mit einem Vorsprung von zwei Kilometern. Die Konsequenz dieser erneuten Niederlage:

  • Das oberste Management stufte die Beurteilung für den Ruderer nach unten.
  • Das Ruder wurde verkauft und alle Investitionen für ein neues Boot wurden gestoppt.
  • Der Beraterfirma wurde ein großes Lob ausgesprochen.
  • Das eingesparte Geld wurde dem obersten Management als Leistungsprämie ausgezahlt.